Eisenmangel ist weltweit der häufigste Mikronährstoffmangel. Besonders Säuglinge und Kleinkinder gehören zur Risikogruppe, da ihr Wachstum rasant verläuft und der Eisenbedarf pro Kilogramm Körpergewicht höher ist als in jeder anderen Lebensphase. Auch Mädchen mit einsetzender oder regelmäßiger Menstruation haben ein erhöhtes Risiko, da die damit verbundenen Blutverluste den Eisenbedarf zusätzlich steigern.
Eisen ist zentraler Bestandteil der Blutbildung, des Sauerstofftransports, der Muskelentwicklung und der Reifung des Nervensystems. Ein länger bestehender Mangel kann nicht nur zu einer Eisenmangelanämie – der häufigsten Form der Blutarmut – führen, sondern auch die kognitive Entwicklung und das Immunsystem beeinträchtigen.
Mögliche Symptome eines Eisenmangels
- Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit
- Blässe (Haut, Lippen oder Schleimhäute)
- Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen
- Häufige Infektionen bzw. Infektanfälligkeit
- Verminderter Appetit bzw. verzögertes Wachstum
- Konzentrations- und Entwicklungsstörungen (bei älteren Kindern)
Wichtig: Diese Symptome sind unspezifisch. Eine sichere Diagnose kann nur durch eine ärztliche Abklärung mit Hilfe einer Labordiagnostik erfolgen. Dabei werden verschiedene Werte geprüft: Hämoglobin (= roter Blutfarbstoff) gibt Auskunft über eine mögliche Blutarmut, reagiert jedoch erst schleichend und spät auf einen Eisenmangel. Ferritin (= Eisenspeicherprotein) zeigt an, wie gut die Eisenspeicher im Körper gefüllt sind. Bei Entzündungen kann der Wert jedoch erhöht sein und einen tatsächlichen Eisenmangel maskieren, da Ferritin ein sogenanntes Akut-Phase-Protein ist. Transferrin-Sättigung gibt Hinweise auf die aktuelle Eisenverfügbarkeit. Serum-Eisen ist für die Diagnostik eines Eisenmangels hingegen obsolet, da es tageszeitabhängig ist und stark schwankt Um die Laborwerte richtig einordnen zu können, wird häufig zusätzlich das C-reaktive Protein (CRP) bestimmt. Es ist ein unspezifischer Marker für Entzündungen. Nur die Kombination dieser Laborwerte liefert ein verlässliches Bild des Eisenstatus. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung unbedingt notwendig, wenn der Verdacht auf Eisenmangel besteht.

Ab wann muss Eisen über die Nahrung zugeführt werden?
Reifgeborene, normalgewichtige Säuglinge verfügen bei der Geburt über Eisenspeicher, die gemeinsam mit dem gut verfügbaren Eisen aus der Muttermilch oder einer Säuglingsanfangsnahrung in den ersten Lebensmonaten meist ausreichen.
Mit Beginn der Beikost, also ab ca. sechs Monaten, sollten aus ernährungsphysiologischen Gründen gezielt eisenreiche Lebensmittel eingeführt werden. Der Zeitpunkt der Beikosteinführung ist wichtig – noch wichtiger ist jedoch die Auswahl der Lebensmittel. Eisen und Jod zählen in dieser Phase zu den besonders kritischen Nährstoffen.
Gute Eisenquellen im Kindesalter
Eine besonders gute tierische Eisenquelle ist rotes Fleisch, also Rind, Kalb und Schweinefleisch. Pflanzliche Quellen sind Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Nüsse und Samen.
Vitamin C spielt bei der Eisenaufnahme eine wichtige Rolle. Wird eine eisenreiche Mahlzeit mit Vitamin C-reichen Lebensmitteln kombiniert, kann sich die Aufnahme deutlich verbessern. Obst und Gemüse wie Paprika, Brokkoli oder Beeren eignen sich gut als Ergänzung. Auch ein kleiner Spritzer Zitronensaft zu einer Getreide- oder Hülsenfruchtmahlzeit ist eine einfache und alltagstaugliche Möglichkeit. Wichtig ist zu beachten, dass Vitamin C hitzeempfindlich ist. Es sollte möglichst roh ergänzt, erst nach dem Kochen untergemischt oder durch schonende Zubereitung erhalten bleiben.
Kuhmilch ist keine gute Eisenquelle. Sie enthält nur geringe Mengen an Eisen, welches zudem nur schlecht aufgenommen wird. Außerdem hemmen Bestandteile der Milch wie Calcium und Casein die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Deshalb sollten eisenreiche Mahlzeiten nicht gleichzeitig mit Kuhmilch angeboten werden. Zudem gibt es Hinweise, dass Säuglinge ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie haben, wenn sie vor dem sechsten Lebensmonat Kuhmilch erhalten. Deshalb sollte in den ersten sechs Lebensmonaten auf die Gabe von Kuhmilch verzichtet werden.
Auch bestimmte Verarbeitungsschritte können die Eisenaufnahme begünstigen. Einweichen oder eine Sauerteigführung reduzieren hemmende Substanzen wie Phytate und verbessern dadurch die Bioverfügbarkeit.
Eine abwechslungsreiche und vielfältige Lebensmittelauswahl unterstützt nicht nur die Eisenversorgung, sondern fördert auch die Geschmacksentwicklung und langfristig ein breites Lebensmittelspektrum.

Vegetarische und vegane Ernährung – besondere Aufmerksamkeit erforderlich
Kinder können auch ohne Fleisch eine gute Eisenversorgung erreichen, wenn die Lebensmittelauswahl bewusst gewählt wird. Entscheidend ist, dass eisenreiche Lebensmittel regelmäßig angeboten und – wo möglich – mit Vitamin C-reichen Lebensmitteln kombiniert werden, um die Aufnahme zu verbessern. Gleichzeitig sollte auf eine insgesamt ausreichende Zufuhr geachtet werden, damit der Bedarf gedeckt wird. Auch andere potenziell kritische Nährstoffe sollten im Blick behalten und gegebenenfalls gezielt ergänzt werden.
Ärztliche Abklärung
Bei Verdacht auf Eisenmangel ist eine ärztliche Abklärung immer wichtig.
Nicht nur die Ernährung kann eine Rolle spielen. Auch Blutverluste jeglicher Art oder bestimmte Erkrankungen, einschließlich angeborener Stoffwechselstörungen, können zu Eisenmangel führen. Zusätzlich sollten weitere Risikofaktoren berücksichtigt werden, wie eine sehr einseitige Ernährung, starkes Wachstum oder eine vegetarische beziehungsweise vegane Kostform.


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