Verstopfung zählt zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden im Kindesalter. Wichtig zu wissen ist jedoch gleich zu Beginn: Nicht immer ist die Ernährung die alleinige Ursache. Neben ungünstigen Essgewohnheiten können auch schmerzhafte Veränderungen im Analbereich (z. B. Entzündungen oder kleine Risse der Schleimhaut), bewusstes Zurückhalten von Stuhl, psychosoziale Belastungen, Veränderungen im Tagesablauf (z. B. Kindergartenstart) oder seltenere organische Erkrankungen dahinterstecken.
Tritt eine chronische Verstopfung bereits im ersten Lebensjahr auf, sollten organische Ursachen jedenfalls ausgeschlossen werden.
Grundsätzlich gilt daher:
Eine länger anhaltende oder chronische Verstopfung gehört ärztlich abgeklärt!
Bewegung, Toilettenroutine und der gastrokolische Reflex
Neben der Ernährung spielen auch andere Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle. Ausreichende körperliche Bewegung unterstützt die Darmmotilität. Kinder profitieren von täglicher, aktiver Bewegung. Spielen im Freien, Laufen, Klettern oder Radfahren regen die natürliche Darmbewegung an.
Ein physiologischer Mechanismus ist der sogenannte gastrokolische Reflex. Die Nahrungsaufnahme, insbesondere einer größeren Mahlzeit, führt dabei zu einer verstärkten Bewegung des Dickdarms. Dieser natürliche Reflex kann therapeutisch genutzt werden:
Kinder sollten nach einer Hauptmahlzeit, besonders nach dem Frühstück, in Ruhe auf die Toilette gehen. Wichtig ist eine entspannte Atmosphäre ohne Zeitdruck.
Die optimale Position am WC entspricht einer leichten Hockhaltung: Die Füße stehen stabil auf einem Hocker und die Knie sind etwas höher als die Hüften. Diese Haltung erleichtert die Stuhlentleerung.
Ernährung als wichtiger Baustein
Auch wenn sie nicht immer die alleinige Ursache ist, hat die Ernährung einen erheblichen Einfluss auf Stuhlkonsistenz und Darmfunktion.
Eine kindgerechte, ausgewogene Ernährung sollte unter anderem reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide und Vollkornprodukten sein. Diese Lebensmittel liefern reichlich Ballaststoffe.
Ballaststoffe erhöhen das Stuhlvolumen, binden Wasser und fördern dadurch eine weichere Stuhlkonsistenz. Eine abrupt starke Erhöhung der Ballaststoffzufuhr kann sich jedoch gegenteilig auswirken und Blähungen oder Bauchbeschwerden verstärken. Daher sollte die Steigerung schrittweise und immer in Kombination mit ausreichend Flüssigkeit erfolgen.
Stark verarbeitete, ballaststoffarme Produkte, wie beispielsweise Weißmehlprodukte oder süße Snacks, sollten hingegen nur einen kleinen Teil der Ernährung ausmachen.
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Ballaststoffe können nur dann wirksam sein, wenn genügend Flüssigkeit aufgenommen wird. Wasser ist dabei das Getränk der Wahl. Auch ungesüßte Tees oder stark verdünnte Fruchtsäfte sind geeignet. Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann harten Stuhl zusätzlich begünstigen.

Lebensmittel mit „schneller Wirkung“?
Manche Lebensmittel gelten traditionell als stuhlauflockernd. Dazu zählen:
- Zwetschken (Pflaumen) und Zwetschkensaft
- Birnen
- Feigen
- Sauerkraut
Sie können unterstützend wirken, ersetzen jedoch keine strukturierte Behandlung bei chronischer Verstopfung. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich.
Frühzeitig handeln
Wenn frühzeitig reagiert wird, lassen sich chronische Verläufe und schmerzhafte Kreisläufe aus Stuhlzurückhalten und Stuhlverhärtung meist gut durchbrechen.
Bei anhaltenden Beschwerden oder Unsicherheiten ist eine ärztliche Abklärung in jedem Fall angezeigt.


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