Übergewicht & Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Viele Eltern machen sich Gedanken über das Gewicht ihres Kindes, weil es „zu viel auf die Waage bringt“.

Die gute Nachricht vorweg: Für die meisten Kinder geht es nicht um Diäten oder strenge Regeln. Viel wichtiger sind langfristig gesunde Gewohnheiten, die von der gesamten Familie mitgetragen werden.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Phase intensiven Wachstums. Ihr Körper entwickelt sich ständig weiter. Knochen, Muskeln, Organe und Gehirn benötigen dafür ausreichend Energie und Nährstoffe.

Deshalb gelten für Kinder andere Empfehlungen als für Erwachsene:

  • keine strengen Diäten
  • keine Verbote einzelner Lebensmittel
  • keine stark kalorienreduzierten Ernährungsformen
  • Fokus auf gesundes Essverhalten statt auf die Zahl auf der Waage

Wann wird Übergewicht zum gesundheitlichen Problem?

Viele Eltern vergleichen ihr Kind mit anderen Kindern oder orientieren sich an Durchschnittswerten.

Im Kindesalter wird Übergewicht nicht anhand fixer BMI-Grenzen wie bei Erwachsenen beurteilt. Entscheidend sind alters- und geschlechtsspezifische BMI-Perzentilen. Deshalb sollte die Beurteilung immer durch medizinisches Fachpersonal erfolgen, das den individuellen Entwicklungsverlauf, das Alter sowie die körperlichen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen des Kindes berücksichtigt.

Muss mein Kind abnehmen?

Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Die Antwort lautet häufig:

Nein – zumindest nicht im Sinne einer klassischen Gewichtsabnahme. In den meisten Fällen reicht eine Gewichtsstabilisierung. Das Kind wächst weiter in die Länge, während das Gewicht gleich bleibt oder nur langsam zunimmt. Eine gezielte Gewichtsreduktion ist nur selten erforderlich und sollte immer individuell und fachlich begleitet erfolgen.

Die Verantwortung der Eltern – und die Freiheit der Kinder

Ein hilfreiches Prinzip lautet:

Eltern entscheiden, was, wann und wo gegessen wird. Kinder entscheiden, ob und wie viel sie davon essen. Kinder besitzen meist ein gutes Gefühl für Hunger und Sättigung. Dieses natürliche Körpergefühl sollte möglichst erhalten bleiben bzw. wieder gefördert werden. Druck, Zwang oder Belohnungen mit Essen können dieses Gefühl langfristig stören.

Was Eltern konkret tun können

1. Gemeinsam essen: Familienmahlzeiten fördern nachweislich ein günstigeres Essverhalten.

2. Ein vielseitiges und ausgewogenes Speisenangebot zur Verfügung stellen

3. Wasser als Standardgetränk

3. Bewegung in den Alltag integrieren

4. Bildschirmzeiten im Blick behalten: Lange Sitzzeiten gehen häufig mit weniger Bewegung und mehr unbewusstem Essen einher.

5. Ein positives Körpergefühl fördern: Ein positives Körpergefühl entsteht, wenn Kinder und Jugendliche ihren Körper nicht über Aussehen oder Gewicht bewerten müssen. Stattdessen dürfen sie ihn als etwas erleben, das ihnen im Alltag hilft und sie trägt. Wichtig sind dabei ein wertschätzender Umgang, wenig Kritik am Körper sowie regelmäßige Rückmeldungen, die nicht an Leistung oder Figur geknüpft sind. Ebenso hilfreich ist ein Umfeld, in dem Essen und Bewegung ohne Druck oder Bewertung stattfinden.

6. Keine Schuldzuweisungen: Familiäre, soziale und gesellschaftliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht. Schuldgefühle helfen weder Kindern noch Eltern weiter.

Süßigkeiten und Snacks?

Sie dürfen Platz haben.

Kinder lernen einen gesunden Umgang mit Lebensmitteln nicht durch Verbote, sondern durch einen entspannten und bewussten Umgang damit. Starke Einschränkungen oder Verbote von Süßigkeiten erhöhen häufig ihre Attraktivität für Kinder.

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